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2.2.5 Haftscherfestigkeit

Die Anfangsscherfestigkeit, oft Haftscherfestigkeit genannt, beschreibt die vorhandene Klebewirkung zwischen Steinen und Mörtel, die zu einer Querkrafttragfähigkeit des Querschnitts auch ohne vorhandene vertikale Auflast führt. Für die Bemessung nach DIN 1053-1 wurde dieser Materialkennwert zur Erfassung in der Bemessung nicht explizit berücksichtigter Einflüsse (z.B. ungleichmäßige Normalspannungsverteilung bei Scheibenschubbeanspruchung) modifiziert und als sogenannter Rechenwert der Haftscherfestigkeit (βRHS bzw. σ0HS) angegeben. In DIN EN 1996-1-1/NA wird diese modifizierte Haftscherfestigkeit mit fvk0 bezeichnet. Dementsprechend stellen die Haftscherfestigkeiten fvk0 nach Tabelle 2-4 bereits modifizierte Rechenwerte der Anfangsscherfestigkeit dar und sind somit keine wirklichkeitsnahe Materialkenngröße.

Das Nachweiskonzept des Eurocodes kennt keine derartig modifizierten Rechenwerte, sondern basiert auf „echten“ Materialkenngrößen als 5%-Quantilwerten. Die Berücksichtigung des genannten Effekts muss somit direkt im Bemessungsmodell erfolgen, was im Eurocode für die Bemessung durch eine Abminderung der experimentell bestimmten Anfangsscherfestigkeit mit dem Faktor 1/(1+μ) geschieht, wobei µ der Reibungsbeiwert ist. Dieser wird für alle Mauerwerksarten in den verschiedenen Nachweisen einheitlich mit μ = 0,6 angesetzt (vgl. V4 – Mauerwerk unter Querkraftbeanspruchung).

Tabelle 2‑4: Rechenwerte der Haftscherfestigkeit fvk0 von Mauerwerk ohne Auflast nach [8]

fvk0 (N/mm2)
Normalmauermörtel mit einer Festigkeit fm (N/mm²) Dünnbettmörtel (Lagerfugendicke 1 mm bis 3mm) Leichtmauermörtel
NM II NM IIa NM III NM IIIa
2,5 5,0 10,0 20,0
0,08 0,18 0,22 0,26 0,22 0,18