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1.3.2 Mauerwerksverband und Überbindemaß

Mauerwerk wird unabhängig vom Wandaufbau immer im Verband ausgeführt. Dieses schichtweise Überbinden der Steine ist erforderlich, um die auf die Wand wirkende Vertikallast über die Wandlänge zu verteilen und so die Tragfähigkeit sicherzustellen (vgl. Bild 1-13). Das Überbindemaß ist dabei u.a. abhängig von den verwendeten Steinformaten und der Verband kann in verschiedenen Ausführungen hergestellt werden.

Mauerwerkslehre Mauerwerksverband
Bild 1-13: Lastverteilung in Mauerwerk ohne und mit Verband

Darüber hinaus wird im Mauerwerksbau zwischen Einsteinmauerwerk und Verbandsmauerwerk unterschieden (vgl. Bild 1-14). Verbandsmauerwerk besteht aus mindestens zwei Mauersteinen nebeneinander in Wanddickenrichtung, die sowohl in Wandlängs- als auch in –querrichtung im Verband angeordnet werden. Es sind somit Fugen vorhanden, die parallel zur Wandebene verlaufen. Diese Ausführungsform ist jedoch in der heutigen Bauausführung eher von untergeordneter Bedeutung. Stattdessen wird heutzutage fast ausschließlich mit Einsteinmauerwerk gebaut, bei dem lediglich ein Mauerstein in Wanddickenrichtung vorhanden ist. In Wandlängsrichtung können die Mauersteine auf unterschiedliche Arten im Verband angeordnet werden.

Mauerwerkslehre
Bild 1-14: Mauerwerk mit Verbandsmauerwerk (links) und mit Einsteinmauerwerk (rechts)

In Bild 1-13 rechts ist der sogenannte Läuferverband dargestellt. Dabei werden die Steine im Längsversatz aufeinander gemauert, sodass die Wanddicke der Steinbreite entspricht. Im Gegensatz dazu werden beim Binderverband die Steine quer versetzt angeordnet, wodurch die Wanddicke aus der Steinlänge resultiert. Beide Verbandarten können sowohl bei kleinformatigen Steinen wie beispielsweise Vormauerschalen als auch bei großformatigen Steinen zur Anwendung kommen. Darüber hinaus sind diese auch die heutzutage am häufigsten verwendeten Verbandarten.

Des Weiteren gibt es den Blockverband und den Kreuzverband, die jedoch nur bei kleinformatigen Steinen zur Anwendung kommen. Beim Blockverband werden Läufer- und Binderverband abwechselnd übereinander gesetzt. Die Stoßfugen der einzelnen Verbandarten liegen dabei immer übereinander (siehe Bild 1-15 links). Beim Kreuzverband werden darüber hinaus die einzelnen Läuferverbandschichten noch einmal versetzt zueinander angeordnet, sodass nur bei jeder zweiten Läuferschicht die Stoßfugen übereinander liegen (siehe Bild 1-15 rechts). Die Wanddicke bei diesen Verbänden entspricht der einfachen bzw. anderthalbfachen Steinlänge. Darüber hinaus gibt es noch einige weitere Verbandarten, die allerdings nur von untergeordneter (historischer) Bedeutung sind und deshalb an dieser Stelle nicht näher erläutert werden.

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Bild 1-15: Wand mit Block- (links) und mit Kreuzverband (rechts)

Unabhängig von der Verbandart ist die Ausbildung der Fugen. Bei althergebrachtem Mauerwerk werden die Fugen mit Normalmauermörtel mit einer Schichtdicke von 6 bis 15 mm ausgebildet. Bei der Verwendung von Dünnbettmörtel reduziert sich die Schichtdicke auf 1 bis 3 mm. Damit erhöhen sich aber gleichzeitig die Anforderungen an die Maßtoleranz sowie an die Ebenheit der Mauersteine. Deshalb kann Mauerwerk mit Dünnbettmörtel nur mit Plansteinen und Planelementen hergestellt werden, bei denen eine höhere Maßgenauigkeit gewährleistet ist.

Die Höhentoleranz wird bei Plansteinen und -elementen durch den Fertigungsprozess oder durch Schleifen auf +/- 1 mm reduziert. Weitere Vorteile von Plansteinmauerwerk sind höhere Druckfestigkeiten, eine schnellere Verarbeitung sowie eine wesentliche Verringerung des Mörtelbedarfs um ca. 90 % und damit eine Reduzierung der Restfeuchte im Mauerwerk. Des Weiteren wird der Anteil der Wärmebrücken im Mörtel verringert und dadurch eine bessere Wärmedämmung erzielt. Darüber hinaus reduziert sich das Schwinden im Mörtelbett, es wird ein homogener Putzgrund erreicht sowie eine höhere Verarbeitungssicherheit erreicht.

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Bild 1-16: Beispiele für die Herstellung von Mauerwerk

Das Überbindemaß, also die Länge der Überschneidung zweier Steine, sollte grundsätzlich möglichst groß sein und muss gemäß DIN EN 1996-1-1/NA mindestens 40 Prozent der Steinhöhe oder 45 mm betragen – der größere Wert ist maßgebend. Bei Elementmauerwerk darf das Überbindemaß auf bis zu 20 Prozent der Steinhöhe bzw. mindestens 125 mm verringert werden. Voraussetzung hierfür ist, dass dies in den Ausführungsunterlagen angegeben und entsprechend statisch berücksichtigt wird.